Onboarding von Lehrlingen: So gelingt der Start in die Lehre

Onboarding LehrlingeVon Thomas Weinberger · 22. Oktober 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit

Der ers­te Arbeitstag ist vor­bei, die Unterlagen sind aus­ge­teilt, die Sicherheitsunterweisung ist erle­digt. Trotzdem kann es sein, dass ein Lehrling in der zwei­ten Woche mehr Fragen hat als am ers­ten Tag. Gutes Onboarding von Lehrlingen setzt genau hier an: nicht bei der Frage, was alles gesagt wer­den muss, son­dern bei der Frage, was hän­gen bleibt. In die­sem Beitrag lesen Sie, was Lehrlinge in den ers­ten Wochen brau­chen, wel­che Rolle Ihre Ausbilder:innen dabei spie­len und wie Sie den Start in die Lehre Schritt für Schritt aufbauen.

Warum ent­schei­den die ers­ten Wochen so viel?

Mit dem Lehrbeginn wech­seln Jugendliche von der Schule in eine Welt mit ande­ren Regeln. Fixe Arbeitszeiten, Kolleg:innen aller Altersgruppen, Kund:innen, eige­ne Verantwortung. Für vie­le ist die­ser Übergang for­dernd, man­che brin­gen auch Sorgen mit.

Gleichzeitig ist die Menge an Information zu Lehrbeginn groß. Abläufe, Ansprechpersonen, Sicherheitsregeln, Zeiterfassung: Kaum etwas davon ist unwich­tig. Aber wer an einem Tag alles hört, behält wenig.

In die­ser Phase ent­schei­det sich auch, ob sich die Lehrlinge zuge­hö­rig füh­len. Wer früh erlebt, will­kom­men zu sein, und weiß, wohin er mit Fragen gehen kann, baut schnel­ler eine Bindung an den Betrieb auf. Darauf baut die gesam­te Lehrzeit auf.

Was brau­chen Lehrlinge zum Start?

Aus unse­rer Arbeit mit Lehrbetrieben sehen wir drei Dinge, die in den ers­ten Wochen den Unterschied machen.

Orientierung

Lehrlinge wol­len wis­sen, wo ihr Platz ist. Was ist mei­ne Rolle? Welche Rechte und Pflichten habe ich als Lehrling? Was ist anders als in der Schule? Und vor allem: An wen kann ich mich wen­den, wenn ich etwas nicht weiß? Je kla­rer die­se Fragen beant­wor­tet sind, des­to schnel­ler trau­en sich Lehrlinge, selbst aktiv zu werden.

Zugehörigkeit

Fachwissen lernt sich leich­ter in einer Gruppe, in der man sich sicher fühlt. Deshalb gehört zum Start bewusst Zeit, in der sich die Lehrlinge unter­ein­an­der und ihre Ausbilder:innen ken­nen­ler­nen. Eine gemein­sam gelös­te Aufgabe im Freien ver­bin­det oft mehr als jede Vorstellungsrunde.

Sinn

Wer ver­steht, war­um der eige­ne Beitrag zählt, arbei­tet anders. Ein Blick dar­auf, wie ein Unternehmen auf­ge­baut ist, wovon sein Erfolg abhängt und war­um Umsatz nicht gleich Gewinn ist, macht vie­le Anweisungen im Alltag nach­voll­zieh­bar. Haben die Lehrlinge das „Warum“ ver­stan­den, fällt das „Was“ und „Wie“ um ein Vielfaches leichter.

Struktur und Erlebnis: Geht das zusammen?

Onboarding wird oft als Entweder-oder gedacht. Entweder ein kla­rer Einschulungsplan oder ein Teamevent, das Spaß macht. Wir sehen das anders, denn gera­de die Verbindung von bei­dem sorgt dafür, dass Inhalte ankommen.

Ein Beispiel aus unse­ren Onboarding-Seminaren ist der zwei­tä­gi­ge Kick-Off Workshop. Dort wech­seln sich Outdoor- und Kooperationsübungen mit kur­zen Praxisinputs ab. Die Lehrlinge lösen im Team eine Aufgabe, bespre­chen danach, was gut funk­tio­niert hat, und über­tra­gen das auf ihren Arbeitsalltag. Themen wie die eige­ne Rolle oder der Aufbau eines Unternehmens blei­ben so nicht abstrakt.

Damit das Gelernte nicht im Seminarraum bleibt, gibt es eine Transferaufgabe mit dem Titel „Just ask!“: Die Lehrlinge bekom­men die Aufgabe, bis zum nächs­ten Seminartag erfah­re­nen Mitarbeiter:innen fünf Fragen zu stel­len – über Dinge, bei denen sie sich unsi­cher sind oder zu Themen, die sie beson­ders inter­es­sie­ren. Nebenbei ent­ste­hen so die ers­ten Gespräche quer durch den Betrieb.

Welche Rolle spie­len die Ausbilder:innen?

Lehrlinge neh­men ihre Ausbilder:innen in den ers­ten Wochen sehr genau wahr. Ein gemein­sa­mer Auftakt setzt des­halb ein kla­res Zeichen: Hier beglei­tet mich jemand durch die Lehrzeit.

Wir emp­feh­len, die Ausbilder:innen gezielt in ein­zel­ne Sequenzen ein­zu­bin­den, etwa bei der Begrüßung, beim Klären gegen­sei­ti­ger Erwartungen oder bei einem Werte-Speed-Dating. Genauso wich­tig ist ein geschütz­ter Rahmen, in dem die Lehrlinge unter sich sind und offen über Unsicherheiten spre­chen kön­nen. Zum Abschluss ver­ein­ba­ren bei­de Seiten Spielregeln und Kommunikationswege für den Arbeitsalltag. So erle­ben die Lehrlinge ihre Ausbilder:innen von Beginn an als ansprech­ba­re Begleiter:innen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ein öster­rei­chi­scher Logistikkonzern mit lan­ger Ausbildungstradition woll­te den Einstieg für neue Lehrlinge noch pra­xis­nä­her und gemein­schaft­li­cher gestal­ten. Gemeinsam haben wir uns zuerst die Ausgangssituation ange­se­hen. Der Übergang von der Schule in den Beruf war für vie­le Lehrlinge for­dernd, unter­schied­li­che Teamdynamiken brauch­ten mehr Verständnis für­ein­an­der, und die Fülle an Informationen zu Lehrbeginn ließ sich schwer nach­hal­tig verankern.

Daraus ist ab 2024 ein Onboarding-Programm ent­stan­den, das meh­re­re Bausteine ver­bin­det: Startseminare zu Auftreten, Umgangsformen und Kommunikation, ein Outdoor-Event für das Gemeinschaftsgefühl und ein Format zur Zusammenarbeit über Generationen hin­weg. Feedback und pra­xis­na­he Aufgaben sor­gen dafür, dass die Inhalte im Alltag ankommen.

Die Lehrlinge erle­ben von Anfang an ein wert­schät­zen­des Miteinander und kla­re Strukturen. Gemeinsame Erlebnisse und kon­kre­te Aufgaben machen die Identifikation mit dem Unternehmen früh spür­bar. Der struk­tu­rier­te und per­sön­li­che Einstieg stärkt das Commitment der Lehrlinge und schafft die Basis für eine lang­fris­ti­ge Bindung.

So star­ten Sie das Onboarding in Ihrem Betrieb

Sie müs­sen nicht alles auf ein­mal umstel­len. Diese fünf Punkte hel­fen beim Planen des nächs­ten Lehrbeginns:

  • Vor dem ers­ten Tag: eine Ansprechperson fest­le­gen und sie den Lehrlingen schon vor­ab nennen
  • In der ers­ten Woche: Informationen dosie­ren und Wichtiges wie­der­ho­len, statt alles auf ein­mal zu sagen
  • Gemeinsam star­ten: ein Erlebnis für die gan­ze Lehrlingsgruppe ein­pla­nen, bei dem sich alle kennenlernen
  • Ausbilder:innen ein­bin­den: Erwartungen auf bei­den Seiten offen besprechen
  • Transfer sichern: klei­ne Aufgaben für den Alltag ver­ge­ben und nach eini­gen Wochen nach­fra­gen, was hän­gen geblie­ben ist

Sie möch­ten das Onboarding Ihrer Lehrlinge neu auf­stel­len oder ergän­zen? Gemeinsam schau­en wir, was zu Ihrem Betrieb, Ihren Lehrberufen und Ihrer Gruppengröße passt. Einen Überblick über unse­re Formate fin­den Sie unter Teambuilding & Onboarding.

Philip Junker

Ihr Ansprechpartner

Philip Junker
Customer Relations, Learning Experience Design & Training

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Thomas Weinberger
Über den AutorThomas WeinbergerThomas Weinberger lei­tet das Team hin­ter lehrlingstraining.at, das für sei­ne Lehrlingsseminare drei­mal mit dem Europäischen Trainingspreis aus­ge­zeich­net wur­de. Ihn inter­es­siert, wie aus ein­zel­nen Seminaren Programme wer­den, die im Betriebsalltag ankommen.