Die Pubertät wird von Jugendlichen unterschiedlich erlebt. Herausforderungen mit Freunden und Familie, mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung und der Zukunft stehen an der Tagesordnung.

Auch die Auswirkungen dieses Erlebens können sehr individuell sein. Es hängt ganz davon ab, wie Jugendliche mit der neuen Situation umgehen. Je nach vorhandenen Bewältigungsstrategien können diverse Herausforderungen auch zu handfesten Krisen werden.

Die Ursachen für Krisen bei Jugendlichen

Neben einer angespannten emotionalen Grundstimmung können – neben anderen – folgende Gefühle und Situationen eine Krise auslösen:

  • Gefühl der Überforderung
  • Gefühl der Orientierungslosigkeit
  • Gefühl der Unzulänglichkeit
  • Gefühl von Einsamkeit
  • Gefühl fehlender Zugehörigkeit
  • Konflikte mit Eltern
  • Leistungsdruck
  • soziales Umfeld

Diese Situationen und Gefühle allein machen allerdings noch keine Krise aus. Was entscheidend ist, sind die sogenannten „Bewältigungsstrategien“, die wir alle uns im Laufe unseres Lebens aneignen.
Diese Strategien sind in anderen Worten jene Verhaltensmuster, die wir zur Hand haben, um mit problematischen Situationen umzugehen. Denn Gefühle der Überforderung, Orientierungslosigkeit etc. erleben wir alle in unserem Leben. Die Frage ist eben nur, wie wir damit umgehen.

Positive Bewältigungsstrategien 

  • mit Freunden und Bezugspersonen sprechen
  • Sport treiben
  • sich was Gutes tun (wie z.b. ein Bad nehmen)
  • Tanzen
  • ins Kino gehen
  • mit Freunden etwas unternehmen
  • sich professionelle Hilfe holen

Zusammengefasst heißt das: all jene Aktivitäten, die für einen Ausgleich zum Stress sorgen und/oder eine Problemlösung ermöglichen.

Negative Bewältigungsstrategien

  • Alkohol
  • Drogen
  • Essstörungen
  • Gewalt
  • Suizid

Kurz: all jene Aktivitäten, die zwar wie eine kurzfristige Flucht vor der Realität aussehen, aber langfristig selbst zu einem größeren Problem werden.

Wenn Jugendliche zu oft auf die falsche Strategie setzen

Als Lehrlingsausbilder/in haben Sie täglich mit Jugendlichen und deren oft problematischen Situationen zu tun. Sie werden aber relativ rasch feststellen, wie unterschiedlich Ihre Lehrlinge mit diesen Situationen umgehen. Wenn Jugendliche ihre ersten Begegnungen mit Alkohol, Drogen und Co. machen ist das noch kein Drama. Oft steht hier das Bedürfnis „Neues zu probieren“ und „Grenzen auszutesten“ im Vordergrund.

Da dies zur Pubertät dazu gehört, werden die meisten der Lehrlinge auch diese Begegnungen machen und manche auch kurzfristig zur „Problemlösung“ einsetzen.
Für Sie als Lehrlingsausbilder/in ist es allerdings wichtig zu wissen bzw. zu bemerken, wann Ihre Lehrlinge zu oft auf die „falsche Strategie“ setzen.

Dieser Punkt ist nämlich dann erreicht, wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Lehrling immer weniger der „positiven Bewältigungsstrategien“ verwendet, sondern mehr auf jene der „negativen Kategorie“ setzt.

Wann bei Ihnen als Lehrlingsausbilder/in die Warnlampe angehen sollte

Wenn Sie bemerken, dass….

  • Ihr Lehrling immer weniger von seinen Freunden und Aktivitäten erzählt
  • er/sie sich immer mehr zurückzieht und sich im Wesen verändert
  • Ihr Lehrling provokanter oder desinteressierter wird
  • sich das optische Erscheinungsbild stark verändert (Haut, Gewicht, Pupillen, nervöses Auftreten etc.)
  • Sie konkrete Zeichen von Alkohol- oder Drogenmissbrauch bemerken

Was Sie als Lehrlingsausbilder/in konkret tun können

Als Lehrlingsausbilder/in ist es wichtig, dass Sie, wenn Sie eine Gefährdung Ihres Lehrlings mitbekommen, darauf reagieren. Das ist in der konkreten Situation nicht immer einfach, aber immer notwendig, für Ihren Lehrling persönlich, aber auch aus Verantwortung Ihrem Betrieb gegenüber.

Das B.E.A.M. Modell bietet eine Orientierung, wie Sie als Lehrlingsausbilder/in in der konkreten Situation reagieren können:

  • Berichten – Alle Fakten nennen
  • Empathie – Auf meinen Lehrling eingehen
  • Anteilnahme – Meine Emotionen mitteilen
  • Maßnahmen – Weiteren Plan besprechen

Beispiel: Julian, du bist in den letzten 2 Wochen 5x zu spät gekommen, warst 2x davon nicht nüchtern und heute habe ich dich gesehen als du im Betrieb Alkohol getrunken hast. Du bist in den letzten 2 Wochen oft unkonzentriert, du vergisst Dinge, und ein Kollege hat mir erzählt, du hattest gestern fast einen Arbeitsunfall. (Berichten). Ich habe dich als sympathischen und klugen Burschen kennengelernt. Du bist fleißig und kannst anpacken. Ich kann mir vorstellen, dass du auch nicht wolltest, dass das wer mitbekommt und dich nicht gefährden wolltest (Empathie). Ich finde es nicht Ordnung wie du dich in den letzten 2 Wochen verhalten hast und bin traurig dich so zu sehen. (Anteilnahme). So kann es nicht weitergehen. Du brauchst professionelle Hilfe und Unterstützung. Ich hab einige Kontaktdaten. Ich möchte, dass du dort anrufst/hingest und dir Unterstützung holst. (Maßnahmen)

Weil diese und weitere Herangehensweisen für die Praxis als Lehrlingsausbilder/in wichtig sind, sind sie ein wesentlicher Bestandteil unseres Lehrlingsausbilder/innen-Kurses. In diesem Kurs gibt es außerdem viele weitere Tipps und Tricks für die Praxis inklusive vieler Übungseinheiten.

Dieter Schwarz

Dieter Schwarz ist Dipl. Sozialarbeiter und Experte für Marketing. Eine merk-würdige Kombination, die vielleicht seine Vorliebe für Soziale Netzwerke erklärt.
Dieter Schwarz